Facebook nimmt sich die Medien vor

Das Wall Street Journal hatte es Anfang Mai bereits angekündigt: Facebook wird ein Medienunternehmen. Das Projekt „Instant Articles“ wird es ermöglichen, komplette Artikel und Videos in Facebook zu veröffentlichen. Der Nutzer liest dort, bleibt dort, interagiert dort. Aus Facebook führt dann kein Weg mehr raus.

Das erstaunliche: An Board sind von Beginn an große Medienunternehmen wie die New York Times, der National Geographic und The Atlantic. Das Projekt wird in den kommenden Wochen auch in Europa ausgerollt, in Deutschland wollen Bild und Spiegel als Erste mit dabei sein. Die Partner dürfen ihre Inhalte bei Facebook selbst vermarkten. In den Genuss von „Instant Articles“ werden zunächst nur für iOS-Anwender kommen.

In den vergangenen Tagen ist viel diskutiert worden, ob die Entwicklung bei Facebook für Medienunternehmen gut oder schlecht ist. Die Antwort ist auf Medienseite ein eher professionelles Achselzucken. Der Spiegel schreibt zu seinem Engagement, es sei „zunächst einmal ein Test„. Man wolle lernen, „wie sich unsere Inhalte in sozialen Netzwerken am besten darstellen und verbreiten lassen“.

Daraus lässt sich zumindest Folgendes ableiten: Natürlich werden die Nutzer Artikel liebend gern auf Facebook lesen. Vermutlich wird dadurch nicht einmal sonderlich viel Traffic auf den Verlagsseiten verloren gehen. Weil bislang nur ein Bruchteil von „Impressionen“ auf Facebook auch zu Klicks führte, kann eine erfolgreiche Vermarktung sogar zu Mehreinnahmen führen.

Und langfristig? Natürlich, die Furcht, dass sich das eigene Medien-Produkt (die Website!) in ihre Einzelteile auflöst, ist nicht unberechtigt. Weil Facebook aber nur ein Teil des gesamten Netzes ist (bei Medienseiten zwischen 5 und 25 Prozent des Traffics), wird der Effekt zunächst nur additiv zu spüren sein. Das Netz wird ein immer komplexerer Organismus, und damit werden auch die Geschäftsmodelle für Medieninhalte im Netz komplizierter.

19.05.2015 | von | Noch keine Kommentare




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